Das Register des Gegenpapstes Nikolaus' V. (1328-1329) / T. Danelli. ((Intervento presentato al convegno Neue Tendenzen der Italienforschung zu Mittelalter und Renaissance tenutosi a Firenze nel 2018.

Das Register des Gegenpapstes Nikolaus' V. (1328-1329)

DANELLI, TIZIANA
2018-12-03

Am 12. Mai 1328 wurde der Minderbruder Petrus Rinalducci de Corbara in Rom zum Papst gewählt. Diese knappe Auskunft könnte normal sogar banal scheinen, aber der geschichtliche Kontext zeigt sofort, dass es sich um ein außerordentliches Ereignis handelt. Fünf Monate zuvor, am 7. Januar, war der erwählte Kaiser Ludwig der Bayer in die ewige Stadt eingezogen um sich dort krönen zu lassen. Das Zeremoniell der Krönung fand am Sonntag, den 17. Januar, ohne Einwilligung des Papstes Iohannes’ XXII., Erzfeind Ludwigs, statt. Der jahrelange Streit zwischen Papst und Kaiser ging von den Herrschaftsansprüchen über das Kaisertum hervor und 1328 erreichte man den Höhepunkt des Zwistes indem sich Ludwig der Bayer von schismatischen Bischöfen zum Heiligen Römischen Kaiser krönen ließ, Johannes XXII. absetzte und ein Konklave einberief, um einen neuen Papst zu erwählen. Bruder Petrus de Corbara hieß von da an Nikolaus V., aber nur für den Teil der kirchlichen Hierarchie und für diejenigen Laien, die an der Seite Ludwigs standen; unter diesen Umständen konnte sein Pontifikat nicht lange andauern, insbesondere nach der Abfahrt des Kaisers, um zurück nach Deutschland zu kehren. Schon im Sommer des folgenden Jahres verleugnete der Gegenpapst seine Rebellion und begann die Verhandlungen bei der avignonesischen Kurie von Johannes XXII., um für seine Schuld verziehen zu werden. Nach seiner wiederholten öffentlichen Unterwerfung genehmigte ihm der Papst die Vergebung und hielt ihn dabei im Papstpalast in Avignon bis zu seinem Tod 1333 in Haft. Von dem Leben des Bruders Petrus de Corbara kennt man ganz wenige und ungewissene Angaben. Dasselbe kann man auch von den Taten und von der Regierung von Nikolaus V. sagen, dennoch besitzt man heute noch eine wahre Fundgrube an Informationen, nämlich ein Register seines Pontifikats das im Vatikanischen Archiv aufbewahrt ist (Città del Vaticano, Archivio Segreto Vaticano, Reg. Vat. 118) und vor mehr als 100 Jahren von Konrad Eubel entdeckt und beschrieben wurde. Die darauffolgende Geschichtsschreibung hat diesen Band und zwei andere Ausschnitte (Reg. Vat. 118a, EP1 48) vernachlässigt, aber ihr Inhalt kann das Geschehen sowie politische und religiöse Beziehungen eingehend untersuchen oder sogar aufdecken. Es handelt sich um litterae gratiae und litterae executoriae (Gnadenakte und deren Vollstreckungsbefehle) die von der gegenpäpstlichen Kanzlei in einer Zeitspanne vom 18. Mai 1328 zum 28. März 1329 erarbeitet wurden. 1891 und 1893 wurden von Konrad Eubel einen kurzen Beitrag über die Hierarchie von Nikolaus V. und die von ihm geschriebenen Regesten des Bandes 118 veröffentlicht, aber viele Fragen warten noch auf eine Antwort. Inwiefern war Nikolaus V. ein Geschöpf des Kaisers? In welchem Maß haben die sogenannten fratres rebelles – die Minderbrüder Anhänger von Michael von Cesena – an seiner Wahl teilgenommen? Welches war konkret sein Einsatzgebiet? Welche weltlichen und geistlichen Herren haben ihn anerkannt und mit wem hat er Gespräche geführt? Einige dieser Fragen werden sicherlich durch die Edition von den vatikanischen Quellen Antworten finden, aber nur wenn man mit den Akten umsichtig vorgehen wird; man muss tatsächlich bedenken, dass die besondere Natur der Kanzleiregister selbst eine verzerrte Wahrnehmung der Beziehungen zwischen auftragender Behörde – dem Gegenpapst – und den Empfängern von Gnadenakten vorlegen kann. Auf jeden Fall werden diese litterae auf neue und vielleicht unerwartete Forschungslinien hinweisen.
Antipapa; Niccolò V; Giovanni XXII; Ludovico il Bavaro; Ordine dei frati Minori; registro di cancelleria; edizione critica; Archivio Segreto Vaticano
Settore M-STO/01 - Storia Medievale
Settore M-STO/07 - Storia del Cristianesimo e delle Chiese
Das Register des Gegenpapstes Nikolaus' V. (1328-1329) / T. Danelli. ((Intervento presentato al convegno Neue Tendenzen der Italienforschung zu Mittelalter und Renaissance tenutosi a Firenze nel 2018.
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